Montag, 25. Mai 2015

Rezension: Unschuldslamm

von Judith Arendt, erschienen bei Ullstein.


Erschienen am 24. Januar 2014
Taschenbuch, Broschur
320 Seiten
ISBN-13 9783548285641

Inhalt laut Verlag
Ruth Holländer kann sich nicht beklagen: Die Scheidung ist durch, der Sohn
aus dem Haus, und die 16-jährige Tochter pubertiert fast nicht mehr. Auch
Ruths französisches Bistro läuft erfreulich gut. Aber dann kommt ein Bescheid
vom Amtsgericht: Zu ihrem Entsetzen wird Ruth zur Schöffin berufen. Sie muss
in einem Mordfall beisitzen. Schon bald hegt sie Zweifel an der Schuld des
Hauptangeklagten: Hat der junge Mann wirklich seine Schwester getötet? Ruth
beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Und schon nach den ersten Fragen im
Umfeld des vermeintlichen Mörders wird ihr klar, dass sie mitten im 
gefährlichsten Abenteuer ihres Lebens gelandet ist ... 

Rezension
Ruth Holländer hat sich grade richtig gut mit Ihrem Leben arrangiert.
Als ihr Mann sie und ihre beiden Kinder vor Jahren verließ - Lukas
was damals 10 und Annika 4 - wusste sie zunächst einfach nicht weiter.
Erst 4 Jahre später - nach einer kleinen Finanzspritze von ihren Eltern -
 hatte sie ihr Leben wieder in den Griff bekommen und ein kleines
französisches Bistro eröffnet, das sie nun heiß und innig liebt und
das zu ihrem zweiten Zuhause geworden ist.

Und jetzt - kurz vor ihrem 50sten Geburtstag - flattert ihr doch tatsächlich
eine Berufung zur Schöffin ins Haus. Am liebsten würde Ruth sich einfach
 davor drücken - schließlich hat sie weder Zeit noch Lust für diese Geschichte
frei zu machen. Erst als ihre Mitarbeiterin und mittlerweile auch Freundin Jamila 
ihr mit Engelszungen gut zuredet, beschließt sie, sich die 'freien Tage' - die 
ersten seit Jahren - zu gönnen und das Beste daraus zu machen.

So tritt sie - am angegebenen Termin - vollkommen unvorbereitet Ihren
Dienst als Schöffin an und das direkt bei einem Mordfall. Die junge
Kurdin Derya Demizgül wurde ermordet und auf der Anklagebank
sitzt ihr Bruder Aras. Ruth ist schockiert. Nicht nur das Derya in
Annikas Alter war, nein, die beiden gingen sogar auf die gleiche Schule.

 Natürlich hatten alle etwas von dem tragischen Fall mitbekommen, aber
das SIE nun ausgerechnet als Schöffin Dienst tut und dann noch so ... 
ungern und unvorbereitet ... , trifft sie doch ziemlich hart.

Umso mehr verspricht sie sich nun selbst, ihrer Aufgabe gerecht
zu werden und ihr Bestes zu geben...

Fazit
Zu meiner Schande muss ich gestehen, das ich nicht einmal wusste,
das es in Deutschland das Amt des Schöffen noch gibt und welche
Aufgaben es umfasst. Ich lese zwar unheimlich gerne Krimis, aber
diese enden ja meist mit der Ergreifung des Täters.

Also habe ich mir das Ganze vorab erst einmal im Internet angeschaut
und ganz ehrlich? Ich weiß nicht, ob mir diese Aufgabe gefallen würde.
Ohne juristische Ausbildung in eventuell schwerwiegenden Fällen
z.T. gleichberechtigt mit dem oder den Richtern ein Urteil zu fällen...
das ist schon eine verantwortungsvolle Aufgabe.

Ruth, die genau in dieser Situation steckt war mir auf anhieb sympathisch.
Nicht schön, klug und reich, sondern ein Mensch, wie du und ich mit
Problemen und Sorgen, die viele andere Menschen auch tagtäglich
schultern müssen, findet sie sich als Schöffin wieder und erkennt die
Ernsthaftigkeit ihrer Tätigkeit.

Die Geschichte wird teilweise in Rückblenden, teilweise durch Verhör-
protokolle und durch die aktuellen Entwicklungen erzählt ohne zu
verwirren. Im Gegenteil - die Geschichte, die zunächst nach einem ganz 
'normalen' Ehrenmord aussieht, gewinnt immer mehr Strukturen, sie
gewährt immer tiefere Einblicke in das Leben Deryas und ihres Umfeldes.

Mir hat die Idee, den Fall um das Amt eines Schöffen aufzubauen sehr
gut gefallen, die Schreibweise ist flüssig, der Aufbau des Falles
spannend und so legt man das Buch nur ungern zur Seite.

Der zweite Fall für Ruth Holländer ('Sündenbock') wartet bereits auf mich
und ich bin schon gespannt darauf - das könnte eine richtig gute Serie werden!

Viele Grüße von der Numi

1 Kommentar:

  1. Das hört sich jetzt echt spannend an! Muss ich mir merken...
    Herzlichst
    yase

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